Dr. Katja Blomberg, Leiterin des „Haus am Waldsee“
Wie kommt das Neue in die Welt?
Die im Jahr 1926 erbaute Villa an der Argentinischen Allee hat schon viele Gegenwartskünstler begrüßen dürfen, unter ihnen Pablo Picasso, Andy Warhol und Max Ernst.
Seit 2005 steht hinter dem in eine private Trägerschaft übergegangenen Haus als Leiterin eine Frau, die sich mit neuen Ideen der zeitgenössischen Kunst mit ganzer Kraft widmet: Kunsthistorikerin Dr. Katja Blomberg gibt innovative Impulse, mit dem Ziel, den Ruf der Villa als „kleine Nationalgalerie des Berliner Südwestens“ international zu festigen. Ihr Leitmotiv ist dabei: Wie kommt das Neue in die Welt?
„Neugierig, was die Besucher eines Museums eigentlich erwarten“, war sie schon als Achtjährige: Museumsbesuche mit der Großmutter, einer Malerin, schürten diese Neugier, ließen sie später Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Germanistik studieren. Eine geeignete Mischung, um gefragt und erfolgreich als Kunstkritikerin und Pressesprecherin in Deutschland, Österreich und Großbritannien die Kunstszene zu begleiten. Wertvolle Berufs-Erfahrung erfuhr sie in ihrer Tokioer Zeit, wo sie in den Achtzigern für das deutsche Kulturzentrum Ausstellungen kuratierte.
Sie verrät: „Hier, in meiner Funktion als kunsthistorische Leiterin, bin ich dem Publikum näher als bei einer schwerpunktmäßig journalistischen Tätigkeit.“ Die jedoch lehrte sie, stimmige Konzepte zu schreiben, die nachvollziehbar überzeugen. Sie helfen, das Gesicht des bereits renommierten Hauses ins rechte Licht zu rücken, anstatt ihm eine falsche Identity aufzuzwingen.
An ihrer Berliner Aufgabe am „Haus am Waldsee“ reizt Dr. Blomberg, dass sie – anders als bei staatlichen Museen – hier freie Strukturen vorfindet bei eher bescheidenem Budget. „Man ist damit weniger oberflächlich, konzentriert sich mehr auf das Wesentliche“, weiß sie, die gerne und erfolgreich Neues hinterfragt und das Neue zum Leitbild ihrer Arbeit gemacht hat. So setzt sie nicht auf Fremdkuratoren, sondern engagiert sich mit ihrem variierendem Team mit immer wieder wegweisenden Ideen für die im Haus initiierten Ausstellungen der Gegenwartskunst zum Thema Malerei, Architektur oder auch Musik.
Das Presseecho und die Kataloge zeugen von einer hohen Professionalität aller Beteiligten. „Fremde“ Meinungen und Vorschläge sind dabei hoch geschätzt, denn „die Schnittmenge des Fremden, die sich oft als konstruktive Kritik offenbart, birgt und erzeugt das Neue.“ Sie macht an den Grenzen der Kultur nicht Halt, sondern integriert wegweisend Wissenschaft und Wirtschaft in ihre Planungen. Ausdruck dessen war am 15. Dezember 2011 das bezirkliche Wirtschaftstreffen in ihrem Haus am Waldsee mit Bürgermeister Norbert Kopp und den Vertretern vom Berlin.Südwest e.V..
Das international anerkannte Ergebnis einer dieser Schnittmengen zeigt auch die im „Haus am Waldsee“ noch bis zum 12. Februar 2012 laufende Ausstellung „GRAFT-DISTINCT AMBIGUITY“, in der deutliche Unklarheit die Architektur belebt: Das scheinbar Gegensätzliche wird neu gemischt und zusammengesetzt, aktuelle Geschmackskulturen fließen dabei ebenso in die Werke ein wie ästhetische und politische Phänomene.
Dr. Katja Blomberg erkannte sofort, dass die Ausstellung des Architekten-Quintetts, welches aus Gregor Hoheisel, Christoph Körner, Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit besteht, dem „Haus am Waldsee“ mehr als die Aufmerksamkeit und Anerkennung des Berliner Südwestens bringen dürfte: nämlich die internationale Gewissheit, dass hier innerhalb der Gesetzmäßigkeiten von Natur und historischer Räumlichkeit der passende Ort gefunden sei, den Blick auf Fremdes über verschiedene Sichtweisen freizugeben und damit Neues zu schaffen. Und dass ein derartiges Kleinod größter Beachtung und Unterstützung bedürfe für eine ergebnisreiche Zukunft der Kultur, an welcher Menschen wie Dr. Katja Blomberg maßgeblich beteiligt sind.
Text: Jacqueline Lorenz



