Frühling am Mexikoplatz

Frühling am Mexikoplatz, Foto: Peter Hahn

In Zehlendorf-West lebt sich’s gut - von Peter Hahn

Mehr als 9.500 km Luftlinie entfernt liegt das namensgebende Land für den repräsentativen Schmuckplatz in Zehlendorf. Erst im Jahr 1959 erhielt der bis dahin namenlose Platz mit seinen stilvollen Häusern, Geschäften, Cafes und Restaurants seinen heutigen Namen. Einen Bezug zu Lateinamerika gab es bereits seit den 1930er Jahren im direkten Umfeld. So tragen die angrenzenden Straßen die Namen Argentinische Allee, Lima- und Bogotastraße. Willy Brandt bezeichnete die Benennung als Zeichen dafür, dass beide Nationen in Frieden und Freiheit miteinander leben wollen. Seit September 1993 besteht auch eine Berliner Städtepartnerschaft mit Mexiko-Stadt.
 
Der stilprägende und die Kontur des Platzes bestimmende Jugendstil-Bahnhof mit seiner markanten Kuppel führt sogar erst ab 1987 den Namen Mexikoplatz - die Bezeichnung "Lindenthaler Allee" entfiel. Das war mittlerweile seine vierte Umbenennung. 1904 wurde der nach Plänen des Architektenbüros Hart & Lesser erbaute Bahnhof der Eisenbahnlinie Berlin-Potsdam unter dem Namen „Zehlendorf-Beerenstraße“ eröffnet. 1911 erfolgte die erste Änderung in „Zehlendorf-West“ und dann ab September 1958 in "Lindenthaler Allee". 22 Jahre später wurde der Bahnhof nach einem Streik der „DDR-Reichsbahnbelegschaft“ stillgelegt, aber bereits fünf Jahre später wiedereröffnet (01.02.1985).
 
Der unter Denkmalschutz stehende, mittlerweile privatisierte Bahnhof (2001) an der „Wannseebahn“, wird von der Linie S 1 angefahren. Auffallend ist im schmiedeeisernen Brückengeländer über der Lindenthaler Allee ein Emblem mit den Buchstaben "KPEV“. Die Buchstaben stehen für „Königlich Preußische Eisenbahn-Verwaltung“ und deuten auf die Zugehörigkeit zu der Preußischen Staatseisenbahn hin. Sie stellte am 15. Mai 1933 den Bahnhof auf elektrischen Zugbetrieb um.

 
Der Anfang des 19. Jahrhunderts angelegte Platz war Ausgangspunkt für die weitere Besiedlung von Zehlendorf-West. Er war ursprünglich kreisförmig um den Bahnhof herum geplant, er wurde jedoch lediglich auf der Seite zur Argentinischen Allee realisiert. Mitte der 1980er Jahre wurde die gartenkünstlerische Gestaltung des Architekten Otto Kuhlmann und später vom Zehlendorfer Garteninspektor Emil Schubert gestaltete Grünanlage rekonstruiert und als Gartendenkmal ausgewiesen. Neben den schönen Bepflanzungen fallen auch die großen historischen Straßenleuchten sowie das weitgehend erhaltene Kopfsteinpflaster ins Auge.
 
Die attraktive und nachgefragte Wohngegend um den Mexikoplatz mit seinen vielen denkmalgeschützten Wohnhäusern - einige davon mit Jugendstilfassaden, ist ohne Frage ein Anziehungspunkt - und manchmal auch Durchgangsstation für Fahrradfahrer. Diese haben vielfach den nahegelegenen Schlachtensee oder die Krumme Lanke im Focus. Stellt sich ganz überraschend ein Plattfuß ein, steht die Lufttankstelle von Frau Lentz mit ihrem Geschäft „Radsport am Mexicoplatz“ mit Rat und Tat zur Seite. Wer noch Proviant benötigt, gehe in das Innere des Bahnhofsgebäudes. Direkt unter der wunderschönen Kuppel verkauft Ihnen Kasim Aoun immer frisches Obst und Gemüse - garantierte Top-Qualität.
Wer entspannt und neugierig durch die umliegenden Straßen schlendert, kann viel entdecken, so die klassizistisch anmutende Villa an der Ecke Matterhornstraße / Dubrowstraße, 1922-23 von Franz Behrmann erbaut oder die 1927 errichteten, völlig aus der Rolle fallenden Reihenhäuser in der Beerenstraße, die mit ihren Giebeln an norddeutsche Stadthäuser erinnern.
 
Aber auch so manchen Promi kann man beim Schlendern oder Einkaufen treffen, so z.B. die Schauspielerin Andrea Sawatzki, den Fernsehjournalist Jörg Thaddeusz, die Sängerin Sarah Conners oder das Berliner Urgestein Nero Brandenburg. Der ehemalige Radio-Moderator des RIAS setzt sich nicht nur für die Rettung der „Berliner Bockwurscht“ ein, auch hat er es geschafft, dass Günter Pfitzmann, ein weiteres West-Berliner Idol, der am Reifträgerweg wohnte, endlich im eleganten Viertel einer Örtlichkeit seinen Namen verleihen kann. Am 8. April 2017 ist es soweit. An der Ecke Matterhorn- / Wasgenstraße / Palmzeile bekommt der 2003 verstorbene als „Pfitze“ bekannte Schauspieler seinen Platz. Und viele hoffen, dass dem auch lange Zeit am Schlachtensee wohnenden grandiosen Charakterschauspieler Götz George, der im Juni 2016 in Hamburg starb, das gleiche wiederfährt.
 
 
Abends nach einem ausführlichen Rundgang können Sie auch den „Kohlenkeller“ in der Sven-Hedin-Straße 5 besuchen, der laut der Initiatorin Nina Wehl einen ganz privaten Freiraum für Ideen bietet „Man braucht keinen Festsaal, wenn man mit anderen reden und singen will. Ein Kellerraum, in dem früher Kohle gelagert wurde, tut es auch“. Er bietet bis zu 60 Besuchern Platz, so z.B. am 21. April (20:00 Uhr), an dem das „Klaviertrio Südwest“ Werke von Haydn und Astor Piazolla spielt.
 
Oder Sie können sich einfach in eine der sonnenbeschienenen Lokalitäten am Mexikoplatz setzen und mit Anwohnern einen Plausch halten. Da treffen sie vielleicht Menschen wie Gerhard Wiener und Achim Freier. Und die erzählen Ihnen, wie toll es ist, hier zu wohnen. Sie schwärmen vom besonderen Flair des Mexikoplatzes - nicht nur aber, vor allem im Frühling.
 
 
Text und Fotos:

PETER HAHN | FOTOGRAFIE | FOTOBLUES.NET | 12207 BERLIN-LICHTERFELDE
 

Unser Newsletter

Abonnieren Sie hier unseren quartalsweise erscheinenden Newsletter

Unsere Mitglieder