Winterlicher Spaziergang im Lichterfelder Bäkepark

Ein Park mit besonderer Atmosphäre in Lichterfelde Ost

Der südliche Bäkepark wird quasi vom Teltowkanal an die Hand genommen. Drei Brücken sind Klammern zum gegenüberliegenden Lichterfelde West. Offiziell heißt das schön gestaltete Gelände „Park am Teltowkanal“. Doch die Lichterfelder sehen in ihm den Fortsatz des weiter nördlich gelegenen Steglitzer Bäkeparks. Deshalb verwenden sie standhaft diesen Namen.

Überquert man im Norden den Krahmersteg, eine Fußgängerbrücke, von der man einen imposanten Ausblick auf das Klinikum Benjamin-Franklin und auf das Architekturmonster den sog. „Mäusebunker“, aber auch auf das südlich gelegene Heizkraftwerk Lichterfelde hat, geht es zuerst in eine gärtnerisch offen gestaltete Parkanlage, in deren Mitte ein Pavillon steht. Hier lockt jedes Jahr die all abendliche Lifemusik während der Steglitzer Festwochen viele Menschen an. Die mittlerweile 65. Steglitzer Woche ist ein Besuchermagnet und findet in diesem Jahr vom 25. Mai bis 11. Juni statt, und die mit einem fulminanten Höhenfeuerwerk beendet wird. Während des zwei Wochen dauernden Events wird zum achten Mal der Steglitzer Kleinkunstpreis verliehen, eingerahmt von Riesenrad, XXL-Krake, Karussells und Buden, die allerlei Leckereien von süß bis herzhaft anbieten.
 

Die Bäkestraße durchschneidet den ansonsten idyllischen Park. Die gleichnamige verkehrsberuhigte Brücke über den Teltowkanal wurde im April 1960 fertiggestellt. Sie ersetzte die im Krieg zerstörte Oskar-Lange-Brücke.

Das „Herz“ des Parks ist die Eduard-Spranger-Promenade, eine mit wuchtigen Kastanien bestandenen Allee, die direkt an den Teltowkanal angrenzt. Zu jeder Jahreszeit ist es ein Erlebnis hier entlang zu schlendern, zu radeln oder zu joggen. Im Sommer laden die tieferliegenden Wiesen zum Relaxen ein. Im Sommer stellt man unschwer fest, dass sich auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals ein Freibad befindet, weithin bekannt als „Spucki“. Und im Spätherbst kann man beobachten, dass der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) das Laub der Alleebäume einsammelt, um damit die Miniermotte zu bekämpfen.

Der Namensgeber der Promenade, Eduard Spranger, wurde 1882 im damaligen Groß-Lichterfelde geboren. Er war zu seiner Zeit ein bedeutender Philosoph, der in Leipzig, Berlin und Tübingen lehrte und sich später dem NS-Regime widersetzte. Beides veranlasste die BVV Steglitz 1964, den Uferweg nach seinem Namen zu benennen.

Das architektonische Highlight der Parkanlage ist das weithin sichtbare Denkmal zu Ehren des Flugpioniers Otto Lilienthal, das an den 1848 in Anklam geborenen und bei einem Flugversuch 1896 bei Stölln am Gollenberg im Havelland tödlich verunglückten „Menschenflieger“ erinnern soll. Kaum bekannt ist, dass Lilienthal in der nahe gelegenen Lichterfelder Boothstraße 17 lebte und dass der Park zwischen 1908 und 1914 von der Gemeinde Groß-Lichterfelde eigens zur Präsentation des Lilienthal-Denkmals errichtet wurde.

Auf einem fünf Meter hohen Natursteinsockel steht eine bronzene Ikarusfigur, die 1914 vom Bildhauer Peter Breuer geschaffen wurde, der als Professor an der Kunstakademie Charlottenburg lehrte. Die Figur ist eine der bedeutendsten Freiraumplastiken Berlins aus der wilhelminischen Epoche.

Der Ikarus ist ein Sinnbild für den Traum des Menschen, auch fliegen zu können. Dieser hatte jedoch die Warnung seines Vaters Daedalos ignoriert, sich mit seinen wachsgestärkten Flügeln nicht zu nah an die Sonne zu wagen. Lilienthal teilte den Mut, aber auch das Schicksal des tragischen Endes mit dem Helden aus der griechischen Sage.

Das Denkmal erstrahlt nach erfolgter Restaurierung wieder im alten Glanz. Fast direkt angrenzend lädt das „Tomasa Lichterfelde“ zum Verweilen ein und ist im Sommer mit seiner großen Terrasse ein beliebter Treffpunkt.

Am südlichen Ende des Parks steht eine Glas-Eisen-Konstruktion, in der sich eine alte Treidellokomotive der ehemaligen Teltowkanal AG befindet. Mit dieser wurden früher die Schiffe im Kanal gezogen. Zudem ist kurz vor der Emil-Schulz-Brücke an der Königsberger Straße noch ein Schiffsbug zu entdecken.

Text und Fotos:
PETER HAHN | FOTOGRAFIE | FOTOBLUES.NET | 12207 BERLIN-LICHTERFELD
 

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