Reif für die Pfaueninsel

Ein Rundgang im historischen Landschaftsgarten

Text und Fotos Peter Hahn

Die Pfaueninsel ist für mich „das“ Ausflugsziel im Berliner Südwesten um Kraft zu tanken. Das gartenkünstlerische Kleinod inmitten der Havel zieht den Besucher immer wieder in seinen Bann. Schon die Anfahrt mit der Fähre gibt das Gefühl eine Reise zu „neuen Ufern“ zu machen. Wieder Boden unter den Füßen, ist zunächst zu entscheiden, welchen Weg man auf der seit 1990 zum Weltwerbe der UNESCO gehörenden Insel nimmt. Viele Erstbesucher gehen zuerst in das Fährhaus, um sich zu informieren.

berlin zehlendorf pfaueninsel schloss - foto: peter hahn

Meist gehe ich gleich bergauf und sehe immer wieder staunend das leuchtend weiße Schloss. Dieser 1797 fertiggestellte architektonisch eigenwillige Bau ist auch vom Neuen Garten in Potsdam aus zu erkennen. Das war so vom preußischen König Friedrich Wilhelm II. gewollt. Die vom Gartenarchitekten Lenné geschaffenen Sichtachsen stellen ein wesentliches Gestaltungsprinzip der Insel dar. Seit 1924 steht die ganze Insel unter Naturschutz.

berlin zehlendorf pfaueninsel meierei - foto peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel panorama mit schloss - foto: peter hahn

Ursprünglich befanden sich auf der Insel Acker- und Weideflächen mit vielen Eichen, umgeben von einem dichten Schilfgürtel. Der preußische König Friedrich Wilhelm II. nutze das Röhricht als Versteck und machte Jagd auf Enten und Schnepfen. 1793 erwarb er das Eiland und ließ sukzessive die heute noch vorhandenen Bauten wie das Lustschloss und die Meierei im Nordwesten der Insel errichten. Weitere interessante Bauten sind das nach Plänen von Schinkel errichtete wuchtige Kavalierhaus, dessen Stilrichtung von ihm einer alten gotischen Danziger Hausfassade nach empfunden wurde. Die Meierei wirkt wie eine Kirchenruine. Stets beschattet zeigt sich die dorische Tempelfassade des Luisentempels.

berlin zehlendorf pfaueninsel kavalierhaus - fotos: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel schloss dachgelaender - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel luisentempel - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel detail im luisentempel - foto: peter hahn

Auch viele kleinere Objekte bereichern den mindestens 45 minütigen Inselrundgang wie der Schalenbrunnen oder der sich am Ostufer befindliche Gedenkstein an Johann Kunkel. Dieser erinnert auf den Alchimisten, der bereits im 17. Jh. zur Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm auf der Insel seinen Experimenten wie z. B. die gelungene Herstellung roten Glases nachgehen konnte. Seine Glasbrennerei wurde 1689 durch einen Brand zerstört.

Vor allem für den Gartenliebhaber sind der „Runde Garten“, der bereits 1821 gestaltet wurde und mit einer Pergola aus Robinienstämmen versehen ist sowie der beliebte Rosengarten einen Besuch wert. Eine Besonderheit sind die buntblühenden Wiesen, die Refugien gefährdeter Arten sind und die nicht betreten werden dürfen. Auch seltene Baumarten, insbesondere im östlichen Teil erzeugen besondere Aufmerksamkeit. Da ist z. B. der erst 1944 in China entdeckte Urweltmammutbaum, ein lebendes Fossil. Der mit dem botanischen Namen Metasequoia glyptostroboides bezeichnete Baum wurde erst 1955 auf der Insel gepflanzt. Insbesondere die Herbstfärbung mit ihren lachsroten bis hin zu kupferbraunen Nadeln ist ein Blickfang.

Nicht zu vergessen sind die Namensgeber der Insel, die freilaufenden Pfauen, die ein Besuchermagnet darstellen. Der Blaue Pfau, bekannt durch sein leuchtendes Federkleid und seine prächtige Schleppe - allerdings nur bei den Männchen, stammt ursprünglich vom indischen Subkontinent und ist mit dem Fasan verwandt. Er ist seit vier tausend Jahren im Mittelmeerraum bekannt. Das Fleisch galt bei den alten Ägyptern und Römer als Delikatesse. Letztere waren es auch, die diese Vögel vorwiegend auf Inseln züchteten. Seit 1963 ist der „Indian Peafowl“ offizieller Nationalvogel des Staates Indien.

Überraschend die Begegnung mit Wasserbüffeln nahe der Meierei. Seit 2010 beweiden vier Tiere in den Sommermonaten die sog. Hechtlaichwiese. Sie werden laut Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten als Alternative zur maschinellen Mahd eingesetzt. Durch diese Maßnahme sollen auf der drei Hektar großen Feuchtwiese seltene Pflanzenarten erhalten und der Gehölzaufwuchs verhindert werden.

berlin zehlendorf pfaueninsel meierei und wasserbueffel - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel pferdestall an der meierei - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel schalenbrunnen - foto: peter hahn

Die Besichtigung der Voliere, 1833 von Friedrich Rabe errichtet, ist ein würdiger Abschluss des Rundgangs im historischen Landschaftsgarten. In diesem Vogelhaus trifft man u.a. auf das Seidenhuhn, eine alte Haushuhnrasse, die schon Marco Polo beschrieb. Bereits im Mittelalter waren die Vögel eine Attraktion. Das Gefieder der flugunfähigen Hühner ist haarähnlich und weich und sieht „putzig“ aus.

berlin zehlendorf pfaueninsel voliere - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel blauer pfau - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel urweltmammutbaum - foto: peter hahn

Wunderschön sind auch die Ausblicke auf die umgebende Havellandschaft. Sichtbar sind die Sakrower Heilandskirche sowie die Frontseite der Peter- und Paul Kirche auf Nikolskoe.

Zurück mit der Fähre zur Anlegestelle Nikolskoer Weg auf dem Berliner Festland geht es nochmal vorbei am Fregattenschuppen, vor dem häufig Angler in ihren Booten zu beobachten sind. Wieder zurück in die Hektik Berlins kommen Sie mit dem BVG-Bus der Linie 218. Aber vielleicht nehmen sie noch etwas Leckeres im rustikalen Blockhaus Nikolskoe zu sich.

berlin zehlendorf pfaueninsel kaelberwerder - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel kanuten - foto: peter hahn

berlin zehlendorf pfaueninsel anlegestelle nikolskoer - foto: peter hahn

Hinweis: Eintritt zur Pfaueninsel und Fähre 4 €, ermäßigt 3 € pro Person. Die Betriebszeiten der Fähre ist von November bis Februar von 10 - 16 Uhr.

 

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